Die Riester Rente – warum sie sich trotzdem lohnt

Die Beitragsgarantie ist der Hemmschuh der Riester-Rente.

Als 2002 der damalige Bundesarbeitsminister Walter Riester die Riester-Rente eingeführt hat, bezeichnete der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder dies als Jahrhundertreform. Gerne wurde das Angebot des Staates, Sparer durch Zulagen und Steuervorteile beim privaten Rentenaufbau zu unterstützen, angenommen.

Bereits seit Jahren ist die Presse kritisch gegenüber der Riester-Rente. Der Verbraucherschutz warnt zudem vor zu teuren Verträgen. Die Zahl der abgeschlossenen Verträge stagniert.

Wir sehen ein über Jahre entstandenes Problem durch die 100%ige Kapitalgarantie. Dies führt bei dem niedrigen Zinsniveau zu fehlenden Renditen. Bei der damaligen Vertragsgestaltung wurden zudem null Prozent Zinsen schlichtweg nicht kalkuliert.

Unser Favorit in Sachen Riester – auch gemäß Stiftung Warentest – war über Jahre die DWS Riester Rente Premium.

Vorteile: Niedrige Kosten und Kapitalmarkt-nahe Investition mit Hilfe des ICPPI Modells. ICPPI ist die Abkürzung für Individual Constant Proportion Portfolio Insurance. Prinzipiell wird mit dem ICPPI-Modell eine optimale Verteilung zwischen Chancen und Risiken sowie Sicherheit angestrebt. Kapital soll einerseits aktiv arbeiten und möglichst hohe Renditen erzielen, andererseits sollen aber auch Komponenten im Portfolio enthalten sein, die das Kapital sichern – dessen Wert also erhalten. Im Fachjargon spricht man deshalb von der Wertsteigerungskomponente sowie der Kapitalerhaltungskomponente.

Ein Praxisbeispiel:

  • Vertragslaufzeit: 30 Jahre
  • Einzahlung: mtl. 100€
  • Zinsniveau: 4% (konservativ angenommen aus dem Jahr 2002)

Der Produktgeber des Riestervertrags muss zum Laufzeitende garantieren, dass mindestens der eingezahlte Betrag zur Verfügung steht. Die Sparrate von 100 Euro wird also ausgehend vom Renteneintrittsalter mit dem Zinsniveau von 4 Prozent abgezinst.

  • Somit reichen 30,83 Euro, um in 30 Jahren auf die Einzahlung von 100 Euro zu kommen.
  • 69,17 Euro verbleiben dann, um am Kapitalmarkt die Renditechancen des Aktienmarktes zu nutzen.

 

Szenario mit Zinsen: Vier Prozent Rendite auf sichere Anlagen

Sackgasse: Ohne Zinsen keine Aktien, ohne Aktien keine Rendite.

Bei null Prozent Zinsen kann keine Abzinsung mehr stattfinden und folglich nicht mehr in Aktien investiert werden. Die 100 Euro der monatlichen Einzahlung werden komplett in langlaufende Anleihen investiert, um die oben erwähnte Kapitalgarantie wahren zu können. Es gibt keine Möglichkeit in rentablere Anlagen zu investieren ohne die Garantie zu gefährden.

Es ist zu erwarten, dass sich die aktuell erzielten Erträge aus den Anleihen gegen Laufzeitende nun deutlich reduzieren oder gar komplett wegfallen. In Konsequenz bieten immer weniger Produktgeber neue Riesterverträge an.

Szenario ohne Zinsen: Null Prozent Rendite auf sichere Anlagen

Riestern lohnt sich dennoch. Blicken wir auf die Fakten.

  • Staatlich geförderte Altersvorsorge mit Kapitalgarantie
  • Einzahlungshöhe für volle Zulagen richtet sich nach dem Einkommen
  • Steuervorteile und hohe Zulagen möglich

Ein Beispiel: Eine Familie, Mutter nicht berufstätig, mit zwei Kindern (nach 2008 geboren) erhält für den förderfähigen Höchstbetrag von 2160 Euro Einzahlungen Zulagen über 950 Euro!

Diese sind 2 × 175 Euro Eigenzulage für die Eltern, und je 300 Euro Kinderzulage. Der Eigenbeitrag für den Vertrag liegt somit bei 1.210 Euro p.a. Die Förderquote beträgt 44 Prozent.

Welche Handlungsmöglichkeiten rund um bestehende Riesterverträge gibt es?

Von einer Auflösung bestehender Verträge raten wir dringend ab. Dies hat eine Rückzahlung der Zulagen sowie der erhaltenen steuerlichen Vorteile zur Folge. Auch greift dann keine Kapitalgarantie (Verluste möglich).
Aufgrund fehlender Renditechancen insbesondere auch bei der DWS Riester Rente Premium besteht die Möglichkeit die künftigen Sparraten vorhandener Riesterverträge zu stoppen. Um weiter privat für das Alter vorzusorgen kann alternativ z.B. ein monatlicher Fondssparplan gestartet werden. Höhere Renditechancen, dafür keine staatlichen Zulagen, keine Garantien, keine steuerlichen Vorteile.

Ein Anbieterwechsel zu einem Versicherer mit Garantiezins von 0,9% (letztmalig in 2021) und dem gleichen ICPPI Modell wie die DWS kann Vorteile bringen. Im Gegensatz zur DWS bietet der Versicherer einen garantierten Zins zum abzinsen für eine mögliche Investition in Aktien. Die Wechselentscheidung ist abhängig von Ihrem Vertrag, der beinhalteten Restlaufzeit, der aktuellen investierten Anlagen und deren Entwicklung.

Lassen Sie uns doch gerne dazu sprechen!

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